Mitarbeiterbeteiligung: Motivations- und Bindungsinstrument

Die Mitarbeiterbeteiligung, die auch oftmals als Mitarbeiterkapitalbeteiligung oder neudeutsch als ESOP (Employee Stock Ownership Plan) bezeichnet wird, ist ein ganz besonderes personalwirtschaftliches Instrument.

 

Sie zeichnet sich durch eine Vielzahl von Positiveffekten aus, die dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern zugute kommen. Zahlreiche wirtschaftswissenschaftliche Untersuchung dienen als Beleg. Darüber hinaus bietet eine Mitarbeiterbeteiligung die Möglichkeit, Lohnkosten in Eigenkapital zu überführen.

 

Die positiven Auswirkungen sind ein Grund dafür, dass die Begründung der Modelle in Deutschland und Österreich von staatlicher Seite gefördert wird.

 

Aufgrund einer breiten Palette von Beteiligungsformen, die in sich individuell auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Beteiligten ausgerichtet werden können, ist die Gestaltung passgenauer Modelle möglich.

 

Auf dieser Grundlage sind Beteiligungsmodelle herausragend geeignet, um Mitarbeiter zu motivieren und Fachkräfte zu binden. Dies gilt für Unternehmen aller Größerordnungen und Wirtschaftszweige.

Argumente und Ziele

Zahlreiche Argumente sprechen dafür, Mitarbeiter am Unternehmen zu beteiligen. Auf Seiten des Unternehmens sind sie regelmäßig mit dem Ziel einer Verhaltensänderung der Arbeitnehmer verbunden.

 

Beteiligte Mitarbeiter zeichnen sich dadurch aus, dass die Beschäftigten

  • eine höhere Produktivität erwirtschaften, indem Sie kosten- und ertragsbewusster handeln,
  • kundenorientierter denken und agieren,
  • untereinander ihr Verhalten ändern (die Teamfähigkeit steigt und Mobbing nimmt ab),
  • mehr Freude an ihrer Arbeit haben, sich stärker mit dem Unternehmen verbunden fühlen, die Fluktuation abnimmt und die Gesamtrekrutierungskosten / Produktivitätsverluste durch unbesetzte Stellen reduziert werden,
  • sich überzeugter für ihr Unternehmen einsetzen, was sich auch in einem Rückgang der Krankentage und in einer gesteigerten Innovationsfreude der Beschäftigten ausdrückt.

 

Im finanzwirtschftlichen Bereich werden positive Effekte dadurch erreicht, dass

  • Lohnkosten in (handelsrechtliches) Eigenkapital umwandelbar sind,
  • Vermögenswirksame Leistungen direkt im eigenen Unternehmen angelegt werden können,
  • über die Steigerung der Eigenkapitalquote sowie die
  • Verbesserung der Liquidität
  • das Rating des Unternehmens verbessert wird, was wiederum zu einer
  • Reduzierung der Finanzierungskosten und / oder zu einer
  • Erweiterung des Kreditrahmens führt.

 

Darüber hinaus sind oftmals weitere Positiveffekte zu verzeichnen durch

  • eine höhere Arbeitgeberattraktivität und
  • zusätzliche Argumente im Werben um Fachkräfte,
  • ein höheres Ansehen beim Kunden und / oder
  • ein verbessertes Image der eigenen Produkte und Leistungen,
  • Gleichschaltung von Unternehmens- und Mitarbeiterinteressen ohne Verlust der Entscheidungskompetenz des Inhabers oder der Geschäftsführung.

 

Auf Seiten der Beschäftigten sind weitere Vorteile zu verzeichnen, die durch Einführung eines Beteiligungsmodells erreicht werden könne. Nicht zuletzt profitieren die Beschäftigten dadurch, dass sie

  • Zugang zu einer transparenten und oftmals attraktiven Kapitalanlage haben,
  • die Möglichkeiten haben, die Rendite der Anlage aktiv und direkt zu beeinflussen,
  • von einer steuer- und sozialversicherungsfreien Zulage des Arbeitgebers profitieren können,
  • ihre Vermögenswirksamen Leistungen (VL) günstiger anlegen als z.B. bei Anlage in Form von Bausparverträgen oder VL-geförderter Altersvorsorge (kürzere Laufzeit, höhere Sparzulage, günstigere Förderrahmenbedingungen),
  • der Spaß an der Arbeit zunimmt und der Zusammenhalt innerhalb der Belegschaft steigt.

 

Die Mitarbeiterbeteiligung in der Praxis

Die Praxis zeigt, dass die Unternehmen, die aufgrund der bisher noch begrenzten Verbreitung von Beteiligungsmodellen ihnen zunächst skeptisch gegenüber standen, letztendlich aber dann doch den Entschluss zur Modelleinführung getroffen haben, ihre Entscheidung ganz und gar nicht bereut haben.

 

Als Beteiligungsunternehmen geht man gerade im Mittelstand ganz besondere Wege. Ein Beteiligungsmodell verleiht Ihnen die Möglichkeit, besonders auf dem Gebiet der Arbeitgeberattraktivität selbst im direkten Vergleich mit Großunternehmen entscheidend zu punkten.

 

Beteiligungsformen und Gestaltungsparameter

 

Die Bandbreite

Das Portfolio der zur Verfügung stehenden Formen der Mitarbeiterbeteiligung ist außerordentlich vielfältig. Zu unterscheiden sind die Beteiligung am Fremdkapital, in mezzaniner Form (direkt oder durch Zwischenschaltung einer gesonderten Beteiligungsgesellschaft) oder die Beteiligung am Eigenkapital. Eine besondere Ausprägung stellt das Investivkapital (Mitarbeiterguthaben) dar.

Formen der Mitarbeiterbeteiligung im Vergleich

Die Wahl einer passenden Beteiligungsform wird wesentlich durch

  • die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen,
  • die Ziele des Unternehmens und
  • Intentionen, die die Beschäftigten in die Diskussion einbringen,

beeinflusst.

 

Zur Auswahl stehen unterschiedliche Gruppen von Beteiligungsformen, die wie folgt zu charakterisieren sind:

 

Fremdkapitalbeteiligung

  • Kapitalüberlassung für einen fest vereinbarten Zeitraum
  • Verzinsung in Form eines festen oder in Grenzen variablen Zinssatzes
  • Beteiligungsformen sind: Mitarbeiterdarlehen, partiarisches Darlehen, Nachrangdarlehen, Schuldverschreibung, nicht-mezzanine Stille Beteiligung oder Genussrechtsbeteiligung
  • bei Einzahlung des Kapitals durch den Mitarbeiter besteht grundsätzlich Insolvenszsicherungspflicht, sofern keine nachrangige Haftung vereinbart ist
  • Förderung (in Deutschland) über VL und § 3 (39) EStG möglich
  • keine steuerliche Förderung in Österreich

 

Mitarbeiterbeteiligung über Mezzaninekapital

  • Kapitalüberlassung über eine mindestens fünfjährige Laufzeit, außerordentliches Kündigungsrecht ergänzend vereinbar
  • Festschreibung einer Gewinn- und Verlustbeteiligung
  • qualifizierte nachrangige Haftung der Kapitaleinlage
  • Beteiligungsformen sind: direkte und indirekte Stille Beteiligung, Genussrecht
  • steuerlich mit Nachteilen verbunden ist die atypische Stille Beteiligung
  • die Kapitaleinlage ist als (betriebswirtschaftliches/handelsrechtliches) Eigenkapital zu klassifizieren
  • keine Insolvenzabsicherungspflicht
  • Förderung in Deutschland über VL und § 3 (39) EStG sowie in Österreich über § 3 (1) Z 15 lit b EStG möglich

 

Mitarbeiterbeteiligung am Eigenkapital

  • Beteiligungsinstrumente sind: Belegschaftsaktie (auch als Restricted Shares oder Performance Shares), GmbH-Gesellschaftsanteil, Genossenschaftsanteil.
  • aus steuerrechtlichen Gründen ungeeignet sind Beteiligungen an Personengesellschaften (Mitunternehmerstellung)
  • Mitarbeiter verfügt im Regelfall über identische Rechte wie ein Altgesellschafter
  • Sonderstellung im Rahmen der Mitarbeiterbeteiligung z.B. durch Vorzugsaktie, Hinauskündigungsklauseln, Stimmrechtsvereinbarung u.ä. möglich

 

Investivkapitalbeteiligung

  • Beteiligungsform: Mitarbeiterguthaben
  • Kapitaleinbringung aus Sonderzuwendungen, ohne dass ein steuerrechtlicher Zufluss entsteht
  • Versteuerung des Guthabens / Erträge aus Sonderzuwendung bei Zufluss (aufgeschobener Zufluss)
  • Verzinsung des Bruttokapitals
  • Verzinsung unterliegt der Einkommensteuer
  • keine Insolvenzabsicherungspflicht

 

Gerne diskutieren wir mit Ihnen, welche Beteiligungsvariante passend zu Ihren Zielen ist und wie die Beteiligung im Detail ausgestaltet werden kann.

Steuerliche Förderung

 

Zahlreiche Studien bescheinigen der Mitarbeiterkapitalbeteiligung positive, teilweise herausragende Produktivitäts- und Beschäftigungseffekte, was auch aus der Praxis immer wieder bestätigt wird. Die ist Grund dafür, dass sie von staatlicher Seite eine steuerliche Förderung genießt.

 

Nachfolgend stellen wir die Bandbreite der Förderinstrumente für Deutschland und Österreich dar.

 

Förderung in Deutschland

Die Förderung beruht in Deutschland auf drei Standbeinen. Dies sind:

  • Gewährung eines (dauerhaft) steuer- und sozialversicherungsfreien Zuschusses des Arbeit gebenden Unternehmens
  • Ausreichung einer Prämie auf die Anlage von Vermögenswirksamen Leistungen in Form einer Mitarbeiterbeteiligung (Sparzulage)
  • Unterstützung bei der Implementierung (Beratungsförderung)

 

Arbeitgeberzuschuss

Der Zuschuss des Arbeit gebenden Unternehmens (oder auch dessen Muttergesellschaft) basiert auf den Vorgaben des § 3 Ziffer 39 EStG (Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetz). Die Regelungen traten im Jahre 2009 an die Stelle des bis dahin geltenden § 19a EStG.

 

§ 3 Ziffer 39 EStG regelt die Gewährung des Arbeitgeberzuschusses zur unentgeltlichen oder verbilligten Gewährung von Beteiligungsanteilen wie folgt:

  • Der Zuschuss ist in seiner Höhe begrenzt auf € 360 je Mitarbeiter und Jahr. Demnach kann auch ein geringerer Zuschuss gewährt werden. Alternativ ist auch unter Wahrung des arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatzes eine zwischen Mitarbeitergruppen abweichende Bezuschussung möglich.
  • Wird ein geringerer Zuschussbetrag von Seiten des Arbeitgebers gewährt, kann den Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben werden, den Differenzbetrag bis zu € 360 im Rahmen einer Entgeltumwandlung in ein Mitarbeiterkapitalbeteiligungsmodell einzubringen. Die Entgeltumwandlung ist steuerfrei, aber nicht sozialversicherungsfrei.
  • Ein Angebot zur Beteiligung am Kapital unter Einbindung des Zuschusses muss grundsätzlich immer mindestens all denjenigen Mitarbeitern des Unternehmens unterbreitet werden, die zum Zeitpunkt der Angebotsunterbreitung ein Jahr oder länger beschäftigt sind.
  • Gefördert werden alle im 5. VermBG genannten Formen der Mitarbeiterkapitalbeteiligung.
  • Der Zuschuss darf nicht mit Einlagen nach dem 5. VermBG verrechnet werden.

Nicht selten wird als Ergebnis einer durchdachten Beratung die Zuschussgewährung geschickt mit einem Instrument der variablen Vergütung verknüpft und damit variabilisiert.

 

Vermögenswirksame Leistungen

Die Einbringung von Vermögenswirksamen Leistungen basiert auf dem 5. VermBG. Das Gesetz ermöglicht eine Vielzahl unterschiedlicher Anlageformen.

 

Das 5. VermBG kennt insgesamt vier Anlageformen. Jede Anlageform hat ihre eigenen Vorgaben und Förderparameter. Dies sind:

  • Mindestanlagedauer / Sperrfrist
  • VL-Anlagehöchstbetrag
  • Sparzulage
  • Einkommensgrenze, bis zu der Mitarbeiter sparzulageberechtigt sind.

Tabellarisch zusammengefasst ergibt sich hieraus ein Gesamtbild wie folgt:

 

Einsatzmöglichkeiten von VL gemäß 5. VermBG

 

Die Übersicht zeigt, dass die Anlage von VL in eine Mitarbeiterkapitalbeteiligung unter allen Fördergesichtspunkten die erste Wahl ist:

  • höchste Sparzulagegewährung (absolut wie relativ)
  • höchste Einkommensgrenzen, bis zu denen eine Sparzulage gewährt wird
  • kürzeste Kapitalbindungsdauer / Sperrfrist

 

Aber nicht nur der Mitarbeiter profitiert von der Anlage von VL im eigenen Unternehmen. Auch für das Unternehmen ergeben sich über die Zeit doch erhebliche finanzielle Vorteile in den Bereichen Liquidität und oftmals auch unter dem Aspekt der Eigenkapitalstärkung.

 

Beratungsförderung zur Modelleinführung

Die Einführung von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen kleinerer und mittlerer Unternehmen kann über mehrere Beratungsförderprogramme durch Zuschussgewährung unterstützt werden. Zu nennen sind hier die folgenden Programme:

Gerne informieren wir Sie über die Förderkonditionen im Detail, unterstützen Sie bei Antragstellung und Abrechnung / Abruf der Fördermittel.

 

 

Förderung in Österreich

In Österreich ist die Förderung von Mitarbeiterkapitalbeteiligungsmodellen anders strukturiert als in Deutschland. Die Alpenrepublik gewährt eine Steuerfreiheit bis zu einer Beteiligungshöhe von € 3.000 p.a., wenn die Beteiligung unmittelbar entweder

  • am Arbeit gebenden Unternehmen,
  • an einer Mutter oder Tochtergesellschaft oder
  • an Unternehmen, die im Rahmen eines Sektors gesellschaftsrechtlich mit dem Unternehmen des Arbeitgebers verbunden sind oder die sich mit dem Unternehmen des Arbeitgebers in einem Haftungsverbund nach dem Bankwesengesetz befinden

erfolgt. Rechtsgrundlage ist § 3 (1) Z 15 lit b EStG.

 

Die Beteiligung kann, wie in Deutschland auch, unentgeltlich oder verbilligt gewährt werden. Sie muss über eine Zeitdauer von mindestens fünf Jahren aufrecht erhalten werden.

 

Begünstigt sind die Beteiligungsformen

  • Aktie,
  • Partizipationsscheine und Substanzgenussrechte am Unternehmen des Arbeitgebers oder an einem mit diesem Unternehmen verbundenen Konzernunternehmen,
  • GmbH-Anteile,
  • Anteile an Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften und
  • echte Stille Beteiligungen.

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