Führt die Entgelttransparenzrichtlinie (ETRL) zu Lohnsteigerungen?
52,5% der Unternehmen rechnen mit steigenden Lohnkosten infolge der Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie. 70,2% befürchten sogar Unruhe in der Belegschaft oder interne Konflikte. Dies ergab eine Umfrage des Kreditversicherers Atradius.
Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass 41,8% der Unternehmen noch keine Vorbereitungen getroffen haben. Weitere 36,6% sind in der Planung.
„Diese Ergebnisse sind nicht verwunderlich und erklären Vieles“, sagt Vergütungsexperte Stefan Fritz. „Zahlreiche Unternehmen haben schlichtweg noch keine Anstrengungen unternommen, Erklärungsansätze für ihre Vergütungsstrukturen zu finden. Sie stecken noch immer den Kopf in den Sand und stellen sich nicht professionell den Herausforderungen.“
Fritz sagt weiter: „Erfahrungsgemäß lassen sich Erklärungstatbestände immer aufbauen, die eine Rechtfertigung für die Vergütungspraxis darstellen. Dies setzt jedoch nicht nur den Willen voraus, sich dem Thema Entgelttransparenz zu öffnen. Erforderlich ist auch eine strukturierte Analyse der eigenen Verhältnisse, Strukturen und Entgelthistorie. Ein ‚einfaches und unkritisches Andocken‘ an externe Datenbanken und vorgefertigte Gradingsysteme ist selten eine Lösung. Zu einfache Lösungswege führen in der Folgewirkung notgedrungen zu den befürchteten Lohnkostensteigerungen. Clevere Ansätze, die langfristig Bestand haben, sind eine nutzbringende Alternative und letztendlich der einzige Lösungsweg zur Vermeidung oder zumindest Begrenzung von Lohnsteigerungen.“
Die im September dieses Jahres durchgeführte Atradius-Umfrage beruht auf Angaben von rund 300 Unternehmen aus den Branchen Automotive, Bauwirtschaft und Baustoffhandel, Chemie, Dienstleistungen, Elektronik, Finanzen, IT und Software, Konsumgüter, Landwirtschaft, Lebensmittel, Maschinenbau, Metall, Papier, Textil und Transport.
Autor: Stefan Fritz (29.10.2026)













